David & Leigh Eddings – The Redemption of Althalus

Fantasy August 17th, 2008

The Redemption of Althalus, die deutsche Ausgabe beschränkt sich nur auf den Namen des Hauptcharakters als Titel, Althalus, ist – ausnahmsweise, könnte man sagen – ein alleinstehendes Werk des Autorenehepaares David und Leigh Eddings, das nach den jeweils mehrbändigen Werken der Belgariad oder der Elenium fast schon ein Novum darstellt.

Diese Länge (im englischen Original knapp über 900 Seiten) erzeugt für David und Leigh hier ein Problem der Kürze, da sie gewöhnt sind, die Handlung, die sie hier unterbringen, auf mehrere Bände zu verteilen. Zumindest scheint es so. Der Handlungsstrang ist geradlinig und läuft, ziemlich vorhersehbar, auf das gewünschte Ende zu. Althalus, ein Dieb aus Berufung, wird von Ghend, seinem künftigen Gegenspieler beauftragt, ein Buch zu stehlen, das sich im Haus am Ende der Welt befinden soll. Nach einem Jahr laufender Misserfolge, die die ersten 70 Seiten des Buches ausmachen, beginnt sich mit diesem Auftrag scheinbar das Blatt zu wenden. Alles läuft problemlos, nur hat er nicht mit der Katze gerechnet, die über das Buch wacht.

Damit beginnt die Handlung erst wirklich zu laufen, und David und Leigh versuchen, die Leserschaft in einen epsichen Konflikt dreier Geschwister zu verwickeln. Althalus wird im Haus am Ende der Welt zum Streiter der Schwester zweier Brüder, Dweia, und beginnt einen scheinbar unmöglichen Kampf gegen den Versuch des einen Bruders, Daeva, die Vorherrschaft über die Welt zu übernehmen. Dass die drei Geschwister auch die Götter dieser Welt sind, ist rein zufällig…

Althalus und Emerald, Emmy, eigentlich Dweia, begeben sich auf die Suche nach ihren Mitstreitern, die alle über bestimmte besondere Eigenschaften verfügen. Daeva verfügt über eine gleich große Gruppe von Untergebenen, die genau die gleichen Eigenschaften besitzen.

Was nun beginnt, ist ein systematisches Abarbeiten der jeweils gegenüberliegenden Personen der beiden Gruppen. Das problematische daran ist, dass den “Guten” dabei nie etwas geschieht, und diese immer das Glück auf ihrer Seite haben. Das kann man leicht als Deus-Ex-Machina missverstehen, aber Dweia ist nun einmal auch die Göttin des Glücks. Der Spannung ist es, gelinde gesagt, eher abträglich.

Aber um Spannung geht es hier in meinen Augen garnicht. Spannung konnten die beiden Autoren noch nie überzeugen schreiben. Dafür waren und sind sie noch immer in der Lage, äußerst unterhaltsame Charaktere zu fabrizieren, die über ihre Dialoge, die gelegentlich ein wenig zu lang sind, zumindest bei mir häufiges Lachen auszulösen in der Lage war.

Schade ist nur, dass viele der Charaktere stark an die Belgariad erinnern. Althalus trägt Züge von Belgarath, genauso wie Dweia Züge von Polgara ihr eigen nennen darf. Das trifft natürlich nur jene, die die anderen Bücher kennen, es ist aber auffällig.

Das Buch bleibt für mich zwiespältig. Einer einfache, vorhersehbare Handlung stehen sehr unterhaltsame Charaktere gegenüber, mit denen man zumindest viel Lachen kann. Spannend wird es dabei selten. Wer gerne Unterhaltung liest und viel Spaß an den Beziehungen zwischen den Charakteren hat, der ist mit dem Buch sehr gut beraten. Allen anderen, die lieber auch mehr Handlung haben wollen, sei die Belgariad ans Herz gelegt.

Patricia McKillip – Winter Rose

Fantasy, Roman Juni 25th, 2008

Seitdem ich mit Od Magic begonnen habe, kann ich von Büchern von Patricia McKillip kaum noch die Finger lassen. Nachdem ich aber, fürchterlicherweise, recht bald alle gelesen habe, ist dieser Lesewahnsinn auch bald vorbei. Die Bücher sind ja, bis auf die Riddle-Master Trilogie, alle durchwegs zügig geschrieben und kaum 300 Seiten stark.

Was mich beim Lesen der Bücher erstaunt hat, war, dass sich mit jedem mehr Parallelen im Aufbau und der Struktur etablieren, als ich gedacht hätte. Eine dieser Strukturen ist, dass sich mehrere Charaktere jeweils im Kreis pro Kapitel abwechseln. Zum Beispiel: Vier Hauptcharaktere, dann immer vier Kapitel, jeweils eines aus der Sicht eines der Charaktere geschrieben, bis der Zyklus wieder von vorne beginnt. Aufgebrochen wird dies nur, wenn gegen Ende mehrere dieser Charaktere zusammengeführt werden und der Höhepunkt drohend sein Haupt erhebt.

Eine wohltuende Unterbrechung dieses Schemas war Winter Rose. Das Buch ist komplett in der ersten Person verfasst, aus der Sicht von Rois Melior, der Tochter eines größeren Bauern und des Nachbarn von Corbet Lynn, der in das Haus seines Großvaters zurückgekehrt ist, um es wieder aufzubauen. Corbet ist schön und mysteriös. Der Mord seines Vaters an seinem Großvater und dessen anschließendes Verschwinden überschattet die Familiengeschichte und ist bis heute ein bedeutendes Gesprächsthema des Ortes. Rois’ Schwester Laurel verliebt sich in Corbets Schönheit, während sich Rois in seinem Mysterium verliert, um der Wahrheit hinter diesem Schritt für Schritt näher zu kommen.

McKillip versteht es – wie immer, könnte man meinen – das Erzähltempo der Geschichte perfekt an die Ereignisse anzupassen und mit ihrer fantastischen Sprache und Erzählweise den Leser immer fest an das Buch zu binden.

Auf Deutsch ist das Buch unter dem Titel Winterrose erschienen. Wie immer habe ich leider keine Ahnung, wie die Übersetzung gelungen ist.

Sean Russell – The Swans’ War (Das verlorene Königreich)

Fantasy, Roman, Serie Juni 16th, 2008

Diese Reihe hat bei mir eingeschlagen wie der Blitz! Eigentlich habe ich nur schnell ein Buch gesucht, um Stephans Geburtstagsgeschenk zu maskieren (denn wenn ein Päckchen von Amazon kam und danach kein neues Buch rumliegt, wird er misstrauisch *g*) und schnell das erstbeste genommen, was mir in die Finger kam. Das war dann Band 1 und sobald ich die ersten paar Seiten gelesen hatte, hat es mich nicht mehr losgelassen. Schnell noch die Bände 2 und 3 nachbestellt… Eigentlich wollte ich mir die dann für den langen Flug am nächsten Samstag aufheben, aber ich konnte nicht und jetzt habe ich Band 2 auch schon gelesen, nur bei Band 3 bin ich bis jetzt eisern geblieben – aber das schaffe ich gerade auch nur, weil ich einfach nochmal mit Band 1 angefangen habe. Eine solche Faszination haben auf mich bis jetzt nur zwei Fantasy-Reihen ausgeübt: der Herr der Ringe und Barbara Hambly’s Darwath-Reihe. Aber bei beiden war ich noch sehr viel jünger und unerfahrener und die letzten Jahre hatte ich schon befürchtet, daß es gar keine Fantasy mehr gäbe, die mich noch überraschen kann. Aber es gibt sie.

Die Handlung der Bücher ist etwas schwierig zu beschreiben, deswegen fange ich mit dem Setting an. Die Geschichte spielt im Tal des Flusses Wynnd, nur ab und zu einmal entfernt sie sich ein bißchen vom Flußufer. Es gibt keine Karten in diesen Büchern, aber die braucht es auch nicht, denn ein Fluß fließt immer nur in eine Richtung. Man muß die Reihenfolge der Orte kennen und auf welchem Ufer sie liegen, aber wie sich der Fluß dazwischen krümmt und windet ist egal. Aber ganz so einfach ist es dann doch nicht, denn der Fluß fließt durch zwei “Welten”. Das eine ist die normale Welt, genannt “the land between the mountains”. Das andere ist eine seltsame Anderwelt. Auf den ersten Blick unterscheidet sie sich nicht von der normalen Welt. Erst mit der Zeit lernen die Helden, sie zu erkennen, weil hier andere Pflanzen wachsen und es Tiere gibt, die in der normalen Welt nur noch in Legenden vorkommen. Manche Sachen sind aber auch seltsamer, so gibt es z.B. einmal eine Insel im Fluß, auf deren einen Seite das Wasser donnernd viele Meter in die Tiefe stürzt, auf der anderen Seite aber beinahe so ruhig wie ein See dahinfließt – und trotzdem treffen beide Arme wieder zusammen, ohne daß einer deutlich länger gewesen wäre als der andere.

Nur wenige verirren sich in die Anderwelt und noch weniger können sie nach Belieben aufsuchen. Auch passen die beiden Welten an den Nahtstellen nicht zusammen. Ein kurzer Weg durch die Anderwelt und man kommt an einem weit entfernten Punkt in der Realwelt wieder heraus. Warum das so ist, wird im zweiten Band erklärt, aber das will ich euch nicht verraten.

Weltenbastlerisch gesehen ist die Welt nichts besonderes. Es gibt nur Menschen und verschiedene Formen von Geistern, keine sonstigen Wesen. Die Kultur lehnt sich sehr stark an das späte Mittelalter an, es gibt Turniere wo getjosted wird, was das Zeug hält, Maskenbälle, Burgen und kleine Bauerndörfer. Neues gibt es hauptsächlich in der Form von Tieren und Pflanzen, die meistens aber nur ganz beiläufig erwähnt werden. Das aber so geschickt, daß man ohne große Erklärung eine Ahnung davon bekommt, was damit gemeint ist.

Kommen wir zur Handlung. Am Anfang dachte ich, daß das alles in recht gewohnten Bahnen ablaufen würde. Drei junge Burschen aus einer abgelegenen Gegend wollen die Welt sehen und ein paar gediegene Abenteuer erleben, eine Art Barde sucht nach Geschichten von längst vergangenen Zauberern und im Kernland befehden sich zwei Adelsfamilien bis aufs Blut. Hat man alles schon mal gelesen. Aber mit jeder neuen Szene wird das Bild komplexer. Jede Person hat ihre eigenen Motive und es tauchen ständig neue Bedeutungsebenen auf. Mir fehlt wie gesagt der dritte Band noch und ich will auch nicht zu viel verraten. Nur so viel sei gesagt: die eigentliche Geschichte, so wie man sie in ein paar Sätzen zusammenfassen könnte, ist nicht so außergewöhnlich, aber die Art, wie sie erzählt wird und die vielen Details und Nuancen, die ihr erst ihre eigentliche Bedeutung geben, habe ich so noch selten gesehen. In amerikanischen Büchern werden ja gerne seitenweise irgendwelche begeisterten Zitate von Autoren, Kritikern und anderem berufenem Volk gebracht. Meist sind die ja relativ austauschbar. Aber auf Band zwei steht vorne draud “Unique and wonderfully unpredictable” – und dem kann ich nur voll zustimmen.

Einen gewissen Abzug muß ich Russell bei der Charakterisierung seiner Figuren geben. Eigentlich macht er es nicht schlecht, die Figuren sind mehrdimensional und ich hatte auch nie Probleme, die Namen zuzuordnen oder mich an sie zu erinnern. Aber es sind einfach zu viele. Stand Ende von Band 2 bin ich auf etwas über 20 für die Handlung wichtige Leute gekommen, wovon sicher 2/3 auch mal die Perspektive haben. Das ist einfach zu viel, um sich tief mit einer Person verbunden zu fühlen und immer mal wieder tauchen Figuren auch über längere Zeit in der Versenkung ab, obwohl sie bei der Handlung eigentlich dabei sind, aber man kann ja nicht ständig schreiben, was 15 Personen in jeder Szene machen. Wenn so eine Person dann plötzlich wieder in den Fokus rückt, dann geht es mir zumindest so, daß ich mich zwar freue, wieder etwas von ihr zu hören, daß ich aber eingestehen muß, sie nicht wirklich vermisst zu haben und dafür gibt es den Abzug.

Auf der anderen Seite tragen aber gerade diese vielen Figuren zu der Unvorhersagbarkeit der Handlung bei. Immer wieder taucht irgendwo eine Figur auf und als erfahrener Leser denkt man sich “Klar, Nebenfigur. Die muß unseren Helden jetzt kurz aus der Patsche helfen und dann sieht man sie nie wieder.” Von wegen! Ich hab jetzt schon mindestens fünfmal erlebt, daß aus so einer Figur einen halben Band oder so später plötzlich ein zentraler Perspektiventräger wird. Und das ganze noch so, daß es irgendwie immer ganz selbstverständlich wirkt. Große Klasse!

Auch sprachlich finde ich die Bücher sehr gelungen. In den Actionszenen kann man das Buch nicht eine Sekunde weglegen, dazwischen gibt es wieder eher lyrische Passagen und wie bei Tolkien auch mal das eine oder andere Gedicht (aber nie so lang wie beim Altmeister *g*). Mir hat besonders gefallen, wie Russell durch ungewöhnliche Gegenüberstellungen eine Szene in wenigen Worten beschreiben kann. So etwas liebe ich.

“The ruined tower stood above the old battlefield at Telanon bridge, an empty-eyed sentinel overlooking a meadow of spring flowers and slumbering ghosts. A cooling breeze bore the scent of ice and snow down from the nearby mountains, and the trees bordering the old battlefield began the furtive whispering that haunted the winds by night.”
“From the crumbling battlements Tam watched the shadow of great Eldhorn wash over the hills; night’s tide flowing, silent and relentless. Shadows pooled in the valleys and made islands of hilltops still lit by the sun” (Bd 1 – S. 8 )

Noch ein Wort zur Magie: Wenn man die Klappentexte liest, dann ist viel die Rede von Magiern. Tatsächlich haben sie jetzt, gegen Ende des zweiten Bandes, sogar angefangen, den einen oder anderen Zauber zu wirken. Aber großteils ist die Magie zwar ständig präsent, aber in einer etwas anderen Art als man es normalerweise findet. Vielleicht kann man es am besten mit Geistern vergleichen. Ja, Geister sind etwas übernatürliches, aber nicht, weil sie etwas besonderes machen, sondern weil sie anders sind. So ähnlich ist es mit der Magie in diesen Büchern auch. Sie ist größtenteils einfach da, ohne durch große Feuerbälle, Beherrschungszauber oder so etwas auf sich aufmerksam machen zu müssen. Selbst ich als großer Magiehasser finde das sehr gelungen.

So, jetzt hab ich genug geschwärmt. Intelligente, sprachlich hervorragende Fantasy, die man unbedingt mal gelesen haben sollte.

PS: Die Serie ist auch auf deutsch erschienen. Die Bände heißen da Nachtvogel,Goldvogel und Sturmvogel.

Patricia McKillip – Od Magic

Fantasy, Roman April 17th, 2008

Od ist die bedeutendste Magierin im Land. Sie hatte sich dem König vorgestellt und eine Schule für Magie in der Hauptstadt gegründet, nachdem der König erkannte, dass er diese Dame nicht so leicht ziehen lassen kann.

Seither sind viele Jahr vergangen. Od hat irgendwann einmal ihrer Schule den Rücken gekehrt und schaut nur gelegentlich – alle paar hundert Jahre oder so – vorbei. Lebenszeichen der Gründerin sind selten. Als ein Junge zur “Hintertür” hereinspaziert, wird dieser umso erwartungsvoller aufgenommen. Diese Tür benutzt normalerweise niemand…

Od Magic ist eine Geschichte des Aufbegehrens gegen erstarrte Strukturen, ein Plädieren für Eigenständigkeit, Individualität und Freiheit. Wie immer lässt McKillip den Ort der Handlung im großen Rahmen unbeschrieben, hält sich nur dort auf, wo es tatsächlich notwendig ist. Ihre Beschreibung von Magie ist gerade in diesem Werk wundervoll. Magie liest sich magisch ;)

Ich weiß nicht, wie gut die deutsche Übersetzung Der Zaubergärtner gelungen ist.