Sibylle Krause-Burger – Herr Wolle läßt noch einmal grüßen

Drittes Reich, Geschichte, Tatsachenroman April 20th, 2008

Sibylle Krause-Burger erzählt die Geschichte ihrer Familie, angefangen bei ihren Großeltern. Mütterlicherseits jüdische Fabrikanten in Berlin, väterlicherseits ein schwäbisch-pietistischer Beamter der ersten Generation, noch ganz verwurzelt in seiner bäuerlichen Herkunft. Man lernt sich kennen in einem Berliner Mietshaus der 20er Jahre, als der Schwabe einige Zeit in die Reichshauptstadt abgeordnet ist. Zwischen der jüdischen Tochter und dem schwäbischen Sohn funkt es gewaltig und gegen den Widerstand der schwäbischen Eltern setzen sie ihre Hochzeit durch. Dann kommt das dritte Reich und plötzlich haben die schwäbischen Eltern nicht nur eine jüdische Schwiegertochter, sondern auch einen Schwiegersohn, der SS-Offizier ist. Ein Konflikt, der die Familie fast zerreißt.

Mich hat an dem Buch die Lebensnähe sehr beeindruckt. Es sind ganz normale Menschen, mit all ihren Widersprüchen und Ungereimtheiten. So steht der schwäbische Vater der jüdischen Schwiegertochter so lange ablehnend gegenüber, bis sie durch die Nazis in ernste Gefahr gerät. Ab diesem Moment unterstützt er sie so gut er kann. Wie die Autorin schreibt “der Nationalsozialismus hat ihn von seinem Antisemitismus geheilt.” Ich fand das Buch sehr bewegend, auch wenn es ganz nüchtern und ohne Theatralik einfach nur die Geschehnisse erzählt. Es kann aber sein, daß ich etwas voreingenommen bin, denn das schwäbische Dorf, das gegen Ende des Buches eine wichtige Rolle spielt, ist mein Heimatort.